Behutsame Aufstockung einer bestehenden Hotelanlage am Bodensee: Ein Architekturprojekt im sensiblen historischen Kontext der 1980er-Jahre und einer historischen Villa. Die Erweiterung im Bestand verfolgt das Ziel, bestehende Qualitäten nicht nur zu respektieren, sondern sie gezielt weiterzuentwickeln, mit besonderem Fokus auf Materialität, Raumqualität und eine harmonische Integration in die bestehende Anlage.
Die Erweiterung bestehender Bausubstanz ist immer eine besondere Aufgabe, insbesondere im Bereich der Architektur im Bestand und der Hotelarchitektur in der Schweiz, wenn historische und architektonisch hochwertige Strukturen aufeinandertreffen.

Das bestehende Gebäudeensemble wurde in den 1980er-Jahren von den renommierten Schweizer Architekten Rudolf Guyer und Esther Guyer entworfen und 1986 realisiert. Es steht exemplarisch für die qualitätsvolle Schweizer Architektur der 1980er-Jahre.
Die Anlage umfasst ein vielseitiges Raumprogramm mit Hotelzimmern, Schulungs- und Seminarräumen, Restaurants, Ausstellungsbereichen sowie einem Spa und einem Hallenbad. Eingebettet ist das Ensemble in eine sorgfältig gestaltete Gartenlandschaft mit einer historischen Villa als Mittelpunkt, die einst unter Napoleon erbaut wurde und eine aussergewöhnliche Lage mit Blick auf den Bodensee und das benachbarte Ausland bietet.


Im Rahmen der Erweiterung der Hotelanlage am Bodensee wurde das einzige eingeschossige Gebäude auf dem Areal um eine Aufstockung ergänzt. Ziel war eine zurückhaltende, aber klar lesbare architektonische Weiterentwicklung im Sinne eines kontextuellen Bauens im Bestand.
Von der Vorprojektphase bis zur Erarbeitung des Baugesuches wurde das Projekt in enger Zusammenarbeit mit der Bauherrschaft, der Projektleitung sowie den zuständigen Behörden entwickelt. Im Zentrum stand dabei die konsequente Weiterführung der architektonischen Sprache des Bestands.
So entstand eine Hotel-Erweiterung im Bestand, die sich selbstverständlich in das Ensemble einfügt und dessen architektonische Identität stärkt.

Der neue Grundriss orientiert sich an den ursprünglichen Entwurfsideen des Architektenpaars Guyer, wurde jedoch gezielt auf heutige Anforderungen der Hotellerie weiterentwickelt.
Statt der ursprünglich vorgesehenen acht Zimmer entstanden sechs grosszügige Einheiten mit Fokus auf Junior Suiten im Hotelbau. Die Raumstruktur wurde zugunsten von Grosszügigkeit, Komfort und Flexibilität angepasst.
Die Innenarchitektur folgt einem klaren Konzept der zeitgemässen Hotelgestaltung mit hochwertigen, natürlichen Materialien und einer reduzierten, eleganten Formensprache.

Ein besonderes Augenmerk lag auf der Gestaltung der Nasszellen im Bereich der Hotelzimmer. Diese wurden grosszügiger konzipiert und öffnen sich teilweise zum Schlafraum hin.
Schwellenlose Duschen, grosszügige Glasflächen und ein durchdachtes Lichtkonzept in der Innenarchitektur sorgen für Transparenz und ein angenehmes Raumgefühl. Tageslicht wird tief in den Raum geführt und steigert die Wohn- und Aufenthaltsqualität deutlich.
Die Materialisierung ist bewusst zurückhaltend, natürlich und hochwertig, mit dem Ziel einer langfristig zeitlosen Wirkung im Sinne einer nachhaltigen Hotelarchitektur.

Die äussere Erscheinung der Aufstockung wurde sorgfältig auf die bestehende Architektur abgestimmt. Fassadenstruktur, Proportionen und Materialien orientieren sich am Bestand, sodass eine ruhige und harmonische Gesamtwirkung entsteht.
Die Materialisierung in der Architektur im Bestand spielt dabei eine zentrale Rolle: Alt und Neu verschmelzen zu einem stimmigen architektonischen Ganzen ohne Brüche, jedoch mit klarer Lesbarkeit der Erweiterung.
Der Entwurf zeichnet sich durch Ideenreichtum, Klarheit und gestalterische Sensibilität aus. Die Erweiterung fügt sich sowohl im Inneren als auch im Äusseren selbstverständlich in den bestehenden Kontext ein.
Das Projekt zeigt exemplarisch, wie Hotelumbau und Erweiterungen im Bestand, insbesondere in einem historisch und architektonisch wertvollen Umfeld, mit Respekt, Präzision und gestalterischer Qualität entwickelt werden können – und wie Architektur im Dialog mit dem Bestand neue Qualitäten schaffen kann. Der hier gezeigte Entwurf versteht sich dabei als konzeptionelle Auseinandersetzung innerhalb dieses Prozesses
| Fachgebiet | Anbau / Umbau / Sanierung / Renovation / Aufstockung / Architektur |
| Zusammenarbeit | Moreno Architektur GmbH |
| Status | Vorprojekt bis Baugesuch |
| Jahr | 2025 |